HEIMISCH
1. Teil der Trilogie „Drei Farben: schwarz-rot-gold!“

Wenn im Alltag, in der Politik oder in den Medien über Migration gesprochen wird, bekommt man den Eindruck, dass der Flüchtling die Ausnahme darstellt. Der normale Zustand ist angeblich, dass jeder sein Haus, sein Land, seine Nation hat und dass diejenigen, die da zu uns kommen, diese Normalität und Ordnung stören. Wenn man sich jedoch die Menschheitsgeschichte anschaut, ist Migration eigentlich der Normalzustand und Sesshaftigkeit die Ausnahme. Weltweit leben heute rund 200 Millionen Menschen dauerhaft in einem fremden Land, vor allem in den Industrienationen. In den vergangenen 50 Jahren hat sich ihre Zahl nahezu verdoppelt.
Und so führt uns die Recherche nicht nur zu Migranten und Migrantinnen, die auf ein paar Quadratmetern versuchen, sich eine neue Heimat einzurichten, nicht nur zu Dresdener Kleingartenbesitzern, die auf ein paar Quadratmeter Heimat ihr selbstgezogenes Gemüse kultivieren, nicht nur zu Menschen, die mit dem Thema „Migration“ beruflich zu tun haben, sondern auch immer wieder zu uns selbst auf der Suche nach unserem Verständnis von „Heimat“, unserem eigenen Migrationshintergrund, unserer Faszination am und unserer Angst vorm Fremden und der Frage: wohin gehören wir eigentlich, wem und welchem Ort fühlen wir uns zugehörig.

Team

Julia Amme, Saro Emirze, Olga Feger, Felix C. Voigt
Regie: Veronika Steinböck
Dramaturgie: Katja Heiser
Ausstattung: Anja Maria Eisen
Assistenz: Clemens Miersch

Premiere 29.11.2013
Gastspiel
Festival der Freien Theater Sachsen OFF 14 in Reichenbach
23. Greizer Theaterherbst „bleiben kommen gehen“ / 2014


Presse

Sächsische Zeitung / 02.12.2013
„Für das neue Stück „Heimisch“ hat das Theater La Lune den richtigen Zeitpunkt erwischt. In Deutschland nimmt die Zahl der Asylbewerber zu, ebenso der Groll gegen sie. Wieder haben die Theatermacher mit Betroffenen gesprochen und Fakten beschafft. Das Material lassen sie gekonnt in ihre Dialoge per Beamer und Tonspur einfließen. Schön gestichelt aber wird gegen Dresdner, die sich eingerichtet haben zwischen Kleingarten und Frauenkirche. Das geht ohne Besserwisserei: So ahnungslos und unbeholfen, wie die bommelbemützten Darsteller auf den Fremden zugehen, hat das Publikum mehrmals was zu lachen.“
Dresdner Neueste Nachrichten / 02.12.2013
„Julia Amme und Olga Feger vom frauenstarken Theaterverein und ihre männlichen Partner Saro Emirze und Felix Voigt demonstrieren das typische Gruppenverhalten gegenüber einem Eindringling. Der ist omnipräsent, ohne je aufzutreten, entpuppt sich nach und nach als ein pakistanischer Flüchtling, über den die wildesten Mutmaßungen kursieren. Wer sich über Selbstentlarvung amüsieren kann, kommt voll auf seine Kosten. Denn die vier, die eine WG, eine Community oder eine ganze Gesellschaft repräsentieren, sind auf die komischste Weise verunsichert von diesem Alien. Raum für die Spieler, parodistisches Talent zu entfalten. Ein wenig plötzlich kommt das Black, das die intensiv applaudierenden Zuschauer aber mit der Frage entlässt, ob Beten wirklich das einzige ist, was man für diesen pakistanischen Flüchtling tun kann. „Wir haben keinen Anspruch auf Antworten“, wird Veronika Steinböck in einem beigefügten Text zitiert. Ein Understatement. Dieses Stück gibt eine Antwort, indem es Verständnis für die Unsicherheiten von Menschen äußert, nicht anklagt und auf subtile Weise einen Weg der Annäherung an den Fremden, an das Fremde beschreibt. Den der Selbsterkenntnis nämlich.“

Dresdner Kulturmagazin / Dezember 2013
Zwischen She She Pop und Schlingensief
„Das Theater La Lune erarbeitet die Trilogie »Schwarz Rot Gold«
Die drei Farben der Deutschlandfahne stehen für die Aspekte Migration, Revolution und Geld. Das Theater La Lune hat sich in seiner neuen Kooperation mit dem Societaetstheater das Wahrzeichen dieser Republik vorgenommen. Nach den mit großer Aufmerksamkeit wahrgenommenen Stücken »Just a little bit racist« und »Kreide fressen« widmet es sich bis 2015 der Trilogie »Schwarz Rot Gold«. Dabei geht es allerdings weniger um eine gesamtdeutsche Bestandsaufnahme. Bei den Recherchen zum ersten Stück, das den Titel »Heimisch« trägt und Ende November Premiere hatte, stand Dresden im Zentrum. Im Mittelpunkt des Interesses stand aber gerade eben nicht das Fremde im Migrationsgedanken, sondern der ganz individuelle Begriff der Heimat. Dahinter steckt der Gedanke, dass man sich nur dann erfolgreich mit einem Thema auseinandersetzen kann, wenn es einen selbst betrifft. Die österreichische Regisseurin Veronika Steinböck betont dabei den inhaltlichen Ansatz: »Wir stellen kein Gutmenschentum auf die Bühne, indem wir sagen, es müssten so viele Migranten wie möglich ins Land gelassen werden. Wir machen kein Migrationstheater. Wir vermeiden Schubladen. Entscheidend ist für uns, dass der Andere immer einen Spiegel darstellt.« [… ] »Wir haben keinen Anspruch auf Antworten und bieten erst recht keine Lösungen. Wir stellen Fragen.« Klingt ganz nach heutigem Theater.“


Förderer

Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
Amt für Kultur und Denkmalschutz
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend – „Toleranz Fördern – Kompetenz stärken“
Societaetstheater Dresden

Kooperationspartner

Societaetstheater Dresden

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